Die Lebensrealität von trans* Personen in Schweden ist trotz des positiven Bildes, das Schweden nach außen vermittelt, nicht frei von Problemen und Diskriminierungserfahrungen. In einer Befragung von trans* Personen der Europäischen Grundrechteagentur aus dem Jahr 2019 gaben die schwedischen Befragten ihrer Lebenszufriedenheit eine Punktzahl von 5,9 (von 10), welches leicht über dem allgemeinen Durchschnitt von 5,6 liegt. Fast die Hälfte der 370 Befragten gab an 2013 aufgrund ihres trans* Seins diskriminiert oder belästigt worden zu sein. 10 % der Befragten verdeutlichten 2013 Opfer von transfeindlicher Hasskriminalität geworden zu sein. Damit zählt Schweden laut Befragung im Vergleich zu anderen europäischen Ländern als eines der sichersten Länder Europas für trans* Personen.
Auch hier zeigt es sich wie in Deutschland als problematisch, dass nur ein Bruchteil der Erfahrungen in der Polizeistatistik widergespiegelt wird. Negative Erfahrungen können dazu führen, dass trans* Personen ihr Leben einschränken. So geht aus der Befragung hervor, dass aus Angst vor Diskriminierungserfahrungen sich mehr als 30 % der Befragten nicht ihrer Geschlechtsidentität sondern der heteronormativen Vorstellung hres vermeintlichen Geschlechts entsprechend kleiden. Außerdem gibt mehr als die Hälfte der Befragten an aus Schutz bestimmte Orte zu meiden.
Die Organisation Transgender Europe (TGEU) verdeutlicht in ihrer 2017 veröffentlichten Studie, dass nur etwa die Hälfte der 400 befragten trans* Personen angaben sich in einem ,,guten‘‘ Gesundheitszustand zu befinden. Bezogen auf die psychische Gesundheit gaben 37 % der Befragten an, dass sie schon mindestens einmal in ihrem Leben von ernsthaften suizidalen Gedanken betroffen waren.
Laut FRA war der Anteil von trans* Personen, die 2013 Diskriminierung von Gesundheitspersonal erfahren haben, mit 26 % genauso hoch wie in Deutschland und Großbritannien, im europäischen Vergleich am zweithöchsten. Die Organisation Transgender Europe (TGEU) hat befunden, dass ein weit verbreitetes Problem im Kontext von geschlechtsbezogener medizinischer Versorgung lange Wartezeiten sind. Dass der Anspruch auf Kostenerstattung bei geschlechtsangleichenden Operationen laut der Studie von einem Großteil der Bevölkerung als selbstverständlich angesehen wird, kann jedoch als eine positive Entwicklung gesehen werden.
Laut der FRA-Studie wird die Atmosphäre im Arbeitsbereich von trans* Personen als angenehmer gegenüber dem Bildungsbereich benannt. Nur ein Drittel der Befragten schätzt das schulische Umfeld als trans* freundlich ein. Ebenso viele berichten von Diskriminierungserfahrungen für das Jahr 2013. Im Beschäftigungsbereich hingegen scheint die Situation im Vergleich eine bessere zu sein. Laut der Studie „Leben als Trans* in der EU“ ist der Anteil an Diskriminierung bei der Jobsuche im Jahr 2013 mit 17 % der niedrigste in ganz Europa. 60 % berichten von einem trans* Personen generell positiv gegenüber eingestellten Arbeitsumfeld. Auch der tatsächliche Anteil an Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz im Jahr 2013 ist mit 22 % laut Befragung mit einer der niedrigsten in Europa.
Zwei Maßnahmen, für die Schweden im internationalen Vergleich als progressiver wahrgenommen werden kann, sind die weite Verbreitung von Unisex-Toiletten und die offizielle Einführung eines dritten geschlechtsneutralen Pronomens. Geschlechtsneutrale Toiletten sind in schwedischen Bibliotheken, Supermärkten oder amtlichen Gebäuden die Norm. Das geschlechtsneutrale Pronomen „hen“ (neben „hon“ = sie und „han“ = er) ist 2015 in das schwedische Wörterbuch aufgenommen worden, während das Gendersternchen in Deutschland nur eine freiwillige Ergänzung ist. Eine US-amerikanische Studie fand heraus, dass die Nutzung dieses Pronomens die Einstellungen gegenüber LSBTQI* allgemein und trans* Personen im Besonderen positiv beeinflusst.

