In den USA identifizieren sich laut einer Studie des Williams Instituts aus dem Jahr 2016 1,4 Millionen Personen der Gesamtbevölkerung als trans*. Dabei identifizieren sich in der afroamerikanischen, der Schwarzen sowie Latinx und Hispanics Community jeweils 0,8% der Erwachsenen als trans*. In der weißen Bevölkerung liegt der Studie nach der Anteil von trans* Personen bei 0,5%.
2015 haben 28.000 trans* Personen an der „US-Transgender Umfrage“ des „Nationalen Zentrums für Transgender-Gleichheit“ teilgenommen. Diese stellt fest, dass vor allem das Gesundheitssystem in den USA ein besonderes Problem für trans* Personen darstellt. Laut der Studie haben 55 % der trans* Personen im Jahr 2015 aufgrund ihrer Identität als trans* die Versorgung durch einen Arzt verweigert bekommen. Als eine Folge der Diskriminierung meiden 23 % der Befragten den ärztlichen Besuch, welches somit auch indirekt Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen haben kann.
Da die Abdeckung von Leistungen der Krankenversicherung in den USA geringer ist als in Deutschland, konnten ein Drittel der Befragten, aufgrund von unzureichenden finanziellen Mitteln, mindestens einmal keine ärztliche Unterstützung aufsuchen. Entsprechende Auswirkungen dieses strukturellen Problems zeigen sich in der cis Personen gegenüber fast neunmal höheren Suizidrate, welche bei 40% liegt. Des Weiteren sind 1,4 % der trans* Personen in den USA HIV-positiv, im Gegensatz zu 0,3 % der cis Bevölkerung. Dabei sind trans* Personen, die auch von Rassismus betroffen sind und somit intersektionale Diskriminierung erfahren, häufiger betroffen. Der an HIV erkrankte Anteil beträgt in der afroamerikanischen Community 19 % und in der der Hispanics 4,4 %.
Ähnlich wie in Argentinien ist Diskriminierung laut der repräsentativen Studie „US-Transgender Umfrage“ in der Schulzeit sehr präsent, wird jedoch, nach Aussage der Befragten, in der Arbeitswelt weniger. Mehr als drei Viertel der Befragten, die in der Schulzeit von außen in ihrer trans* Identität wahrgenommen wurden, haben Diskriminierung erfahren. In der Folge entschließen sich 17 % die High-School vorzeitig zu beenden, welches mitunter ebenfalls Auswirkungen auf die Arbeitslosenrate von trans* Personen haben kann. Diese ist mit 15 % fast dreimal wie die der cis Bevölkerung. Auch hierbei sind Schwarze Personen und People of Color im Vergleich zu Weißentrans* Personen häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen. Diskriminierung am Arbeitsplatz ist ebenfalls sehr präsent. So gab mehr als ein Viertel der Befragten, welche im Jahr 2014 gearbeitet oder sich auf eine Arbeitsstelle beworben hatten, an, dass sie, aufgrund ihres trans* Seins, Benachteiligung erfahren haben. 16 % haben bereits einmal einen Job aufgrund ihrer Identität als trans* verloren.
Die „US-Transgender Umfrage“ ist seit 2015 nicht noch einmal durchgeführt worden und somit können keine Aussagen über eine mögliche Verbesserung oder Verschlechterung der Lebensrealität von trans* Personen getroffen werden. Es ist jedoch bekannt, dass die Trump-Regierung negative Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung von trans* Personen hat. Zum Beispiel hat das Gesundheitsministerium unter Trumps Präsidentschaft Schutzmechanismen, welche durch „Obamacare“ zur Unterstützung von gesundheitlichen Problemen, die mit der Geschlechtsidentität zusammenhängen, für nichtig erklärt. Die Organisation „Planned Parenthood“, die trans* Personen mit Bildung, Hormontherapie, Selbsthilfegruppen und anderen Ressourcen unterstützt, musste auf Bundesgelder verzichten, weil neue Regulierungen der Trump-Regierung ihre Arbeit erheblich beschränkten, sodass sie sich jetzt unabhängig finanzieren müssen. Trans* Personen dürfen zudem nur noch im Teil des Militärs sein, wenn sie ihre Identität als trans* verstecken.

