Argentinien wird als das progressivste Land Lateinamerikas für die LSBTQI*-Gemeinschaft angesehen. Seit 1991 werden jährlich „Pride Marches“ in Buenos Aires veranstaltet und es war Vorreiter für Gesetze zur Gleichstellung von Ehe und Geschlecht. Jedoch hat das Land bei der konkreten Umsetzung seiner fortschrittlichen Gesetze noch Handlungsbedarf.
Trans* Personen leiden unter einem für sie schwer zugänglichen Gesundheitswesen, da ein großer Teil des Personals ihnen ihre Identität abspricht. Besserungen haben sich dadurch eingestellt, dass das sogenannte ,,Geschlechter- Gesetz‘‘ von 2012 es ermöglicht, ohne medizinische Diagnose eine Anpassung des legalen Geschlechtseintrags vorzunehmen, sowie die Kosten für geschlechtsangleichende Operationen vom Gesundheitssystem übernehmen zu lassen. Diese Änderungen haben den Anteil an Diskriminierungen im Gesundheitssystem um mehr als 60 % verringert, sie liegt jedoch immer noch bei 30 %. Es wurden eigene Krankenhausstationen für trans* Personen eingerichtet, welches jedoch auf wenige große Krankenhäuser beschränkt bleibt.
Der Zugang zum Bildungs- und Beschäftigungsbereich gestaltet sich für viele trans* Personen schwierig. Viele brechen aufgrund negativer Erfahrungen die Schule ab. Nach dem Gesetz von 2012 hat in Buenos Aires die erste Abendschule der Welt nur für trans* Personen eröffnet, wo trans* Personen die Möglichkeit haben ihren Abschluss nachholen zu können. Dies ist ebenfalls möglich in dem 2017 entstandenen Gemeinschaftstreff „Casa Trans“ in Buenos Aires.
Circa 85 % der trans Frauen und ca. 65 % der trans Männer gehen einer Beschäftigung in der prekären Sexarbeit nach. Oftmals gibt es keine ausreichenden Möglichkeiten sich vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten schützen zu können, welches die schlechte gesundheitliche Lage vieler trans* Personen miterklärt Um die Beschäftigungssituation von trans* Personen zu verbessern, haben viele Rechtsorganisationen eine Quote von 1,5 % im öffentlichen Dienst gefordert, die landesweit gelten soll. Diese wurde der Abgeordnetenkammer vorgelegt. Seit Anfang September 2020 gilt eine ein Prozentquote. Somit müssen mindestens ein Prozent der Positionen im öffentlichen Dienst von trans* Personen besetzt werden.
Die Lebenserwartung von trans* Personen in Argentinien ist mit 35 Jahren mehr als halb so hoch wie die der restlichen Bevölkerung. Dies liegt zum einen an einer hohen HIV-Rate, aber auch an hohen Zahlen von Betroffenen, welche physische und psychische Gewalt erfahren haben. Die Rate an trans* Personen, die mit HIV infiziert sind, ist nach der Einführung des sogenannten ,,Geschlechts-Gesetzes‘‘ in 2012 um ein Drittel gesunken. Gewaltverbrechen haben im Jahr 2018 zum Tod von 59 trans* Personen geführt. Ein gerichtlicher Schuldspruch von 2018 wegen „Travestizids“ (span. „travesticidio“), also des Mordes („Homozids“) an einer trans* Person wird von Aktivist*innen deswegen als wegweisend gegen die transfeindliche Hasskriminalität angesehen.

