English
Deutsch

Laut der Studie „Leben als Trans in der EU“ der Europäischen Grundrechteagentur ist die Bevölkerung der Niederlande trans* Personen gegenüber in den drei Lebensbereichen Privatleben, Arbeitsleben und Gesundheitswesen im europäischen Vergleich die Aufgeschlossenste. Trotzdem lebt im Privatleben nur die Hälfte der Befragten ihre Identität aus und im Arbeitsleben sogar nur ein Drittel. Die Befragten bewerten ihre Lebensqualität mit 6,6 von 10 als leicht unter dem europäischen Durchschnitt liegend (6,9), während in Deutschland lebende Befragte sie bei 7,2 einordnen. Es bleibt abzuwarten, ob der 2019 in den Niederlanden eingeführte spezifische Schutz von trans* Personen unter dem Begriff „Geschlechtsidentität“ im Antidiskriminierungsrecht für Verbesserungen sorgen wird.

Laut der Studie der FRA sind 2011 8 % der befragten trans* Personen in den Niederlanden Opfer von Hasskriminalität geworden, siebenmal häufiger als cis Menschen (interner link: 1.1.2). Noch öfter passiert laut FRA Diskriminierung ohne körperliche Gewalt. 45 % der Befragten berichten, dass sie Diskriminierungserfahrungen wie Belästigung oder unangemessene Kommentare erfahren haben. Im Gegensatz zum europäischen Durchschnitt ist zwar der Anteil an trans* Personen, der es vermeidet, sich seiner Geschlechtsidentität entsprechend zu kleiden, mit 24 % um ein Viertel niedriger, die Vermeidung von bestimmten Plätzen aufgrund negativer Erfahrungen ist allerdings mit 54 % etwas höher als dem europäischen DurchschnittDiskriminierungserfahrungen im Bildungs- und Beschäftigungsbereich geben ein zum Teil positiveres Bild. Die in der Studie der FRA 2011 befragten Schüler*innen empfinden zu je ein Drittel die Atmosphäre ihnen gegenüber als positiv, gemischt und negativ, am Arbeitsplatz haben fast zwei Drittel den Eindruck, dass ihr Umfeld eher positiv gestimmt ist und 19 % empfinden ihr Umfeld als negativ ihnen gegenüber eingestellt. Trotzdem gaben fast 60 % an, mindestens einmal negative Kommentare gehört zu haben. Von denjenigen, die 2011 auf Arbeitssuche waren, berichten 50 % von Diskriminierung, was europaweit der dritthöchste Anteil ist (nach Belgien und Irland). Auf der anderen Seite hebt die Internationale Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans & Intersex Vereinigung Europa (ILGA) hervor, dass arbeitsrechtliche Möglichkeiten, wie eine Beurlaubung für die geschlechtsangleichende Operation, positive Entwicklungen bedeuten.

Auch im Gesundheitsbereich zeigt sich laut der Studie der FRA ein gemischtes Bild. Die Niederlande befinden sich im unteren Mittelfeld der europäischen Länder in Bezug auf die Häufigkeit von Diskriminierung durch Gesundheitspersonal. Allerdings liegt der Anteil derer, die sich im Gesundheitswesen 2011 diskriminiert gefühlt haben immer noch bei fast einem Fünftel. Außerdem verfügt das Gesundheitssystem über nicht genug trans* spezifisch geschulte Mediziner*innen, so dass Wartezeiten von bis zu einem Jahr möglich sind, was besonders für Kinder und Jugendliche eine Herausforderung, darstellen kann, wenn sie Medikamente zur Verhinderung geschlechtsspezifische Entwicklungen in der Pubertät einnehmen möchten.