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In einer Studie zur „Bildungssituation(en) von Sinti und Roma im deutschen Bildungssystem“ aus dem Jahr 2021 wird dargestellt, dass sie von einer Bildungsbenachteiligung betroffen sind. Auffällig ist dabei, dass 28,9 % der Befragten keinen Schulabschluss besitzen, im Vergleich zu 7 % in der Mehrheitsbevölkerung. Zwar besuchten 71,1 % der Befragten die Grundschule regelmäßig, doch rund 40 % besuchten die Hauptschule und 22 % die Realschule. Nur 8,8 % der Befragten besuchten ein Gymnasium im Vergleich zu 40 % der Mehrheitsbevölkerung. Zwar hat sich die Beschulung seit der ersten Generation nach dem Zweiten Weltkrieg verbessert und besonders in den letzten zehn Jahren lässt sich eine positive Veränderung verzeichnen, dennoch ist immer noch ein großer Unterschied zur Mehrheitsbevölkerung zu beobachten. Dieser zeigt sich auch in der beruflichen Bildung. Nur 37 % der befragten Sinti und Roma haben einen höheren beruflichen Bildungsgang absolviert, im Vergleich zu einer doppelt so hohen Zahl in der Mehrheitsgesellschaft. Auffällig ist zudem, dass 11,7 % der Befragten eine Förderschule besuchten, im Gegensatz zu 4,9 % der Mehrheitsbevölkerung.

Dieses Bildungsdefizit trägt sich über Generationen fort. Nur die Hälfte der Befragten gaben an, in der Grundschule vom Elternhaus Hilfe bei den Hausaufgaben bekommen zu haben. Neben der Begründung, dass die Eltern selbst nicht genügend Schulbildung hatten, wurde in 18 Fällen ausdrücklich Bezug auf die Verfolgung von und dem Schul-Verbot für Sinti und Roma während der NS-Zeit genommen.

62,7 % der Befragten berichteten außerdem, dass sie aufgrund ihres ethnischen Hintergrunds in der Schule beleidigt oder angefeindet wurden, also Diskriminierung erfahren haben. Auch die Selbstorganisation Amaro Foro e.V. dokumentierte im Jahr 2017 mehrere Fälle von Diskriminierung im Bildungsbereich, darunter Mobbing, Beleidigungen, persönliche Angriffe, Unterstellung von Diebstahl und Gewalt durch Erzieher*innen. Solche Diskriminierungserfahrungen führen zu Demotivation und psychischer Belastung der Lernenden oder werden durch Verstecken der Minderheiten-Angehörigkeit umgangen. Es ist zu vermuten, dass persönliche Diskriminierungserfahrungen ebenfalls zu Bildungsdefiziten beitragen. Ausgrenzung manifestiert sich auch in subtileren Formen, etwa durch unfaire Benotung.

Eine qualitative Studie zu Bildungschancen von geflüchteten bzw. migrierten Sinti und Roma Kindern in Nordrhein-Westfahlen ergab, dass diese zumeist ohne individuelle Förderung auf Förderschulen geschickt werden und dass es vor allem für ältere Schüler*innen, die über keine guten Deutsch-Sprachkenntnisse verfügen, wenig Perspektive auf eine langfristige effektive Beschulung bestehe. Auch Unsicherheiten, verbunden mit dem eigenen Aufenthaltsstatus, psychische Belastungen der Kinder oder ihrer Eltern, unangemessene Wohnsituationen in Geflüchteten-Einrichtungen und rassistische Einstellungen des Lehrpersonals erschweren eine konstruktive Beschulung der Kinder.