Aufgrund von Berichten und Beschwerden von Selbstorganisationen von Sinti und Roma kann davon ausgegangen werden, dass Sinti und Roma bzw. Menschen, die dieser Gruppe zugeordnet werden, Diskriminierung von Seiten der Polizei ausgesetzt sind. Dabei gibt es Hinweise auf eine auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzte Erfassung von Sinti und Roma in Datenbanken der Polizei- und Ermittlungsbehörden. Eine kleine Anfrage in Baden-Württemberg von 2014 ergab, dass Menschen mit dem personengebundenen Hinweis „Wechselt häufig Aufenthaltsort“ kategorisiert wurden. Dr. Markus End illustriert in seiner Kurzexpertise, dass sich ähnliche Kategorien auch in anderen Polizei-Behörden finden. Diese sind mit Stereotypen, wie einer höheren „Mobilität“ von Sinti und Roma oder einer bestimmten Staatsangehörigkeit verbunden. Zusätzlich arbeitet er Hinweise darauf heraus, dass angebliches „Expert*innenwissen“ über Verhaltens-, Lebens- und Kleidungsweise von Sinti und Roma gesammelt wird. So werden Sinti und Roma mit speziellen Delikten wie beispielsweise dem „Enkel-Trick“ in Verbindung gebracht und pauschal als „integrationsunwillig“ betitelt. Diese Annahmen und die zugeschriebene Gruppenzugehörigkeit werden von Polizeibehörden mitunter auch an die Öffentlichkeit kommuniziert, wo diese reproduziert und verfestigt werden.
Diskriminierende Vorannahmen wirken sich auch auf konkrete Praktiken der Polizei aus. So finden sich, laut End, Mitschriften von Zeug*innenbefragungen und Befragungsbögen, in denen diskriminierende Verallgemeinerungen als „objektive Merkmale“ abgefragt wurden. Ein Beispiel findet sich auch in Holger Witzels Artikel „Alle dreieinhalb Minuten“, der 2011 im Stern veröffentlicht wurde. Die Selbstorganisation Amaro Foro e.V. dokumentierte sowohl in 2016, als auch in 2017 Fälle von „racial profiling“ gegenüber Sinti und Roma, bzw. als solche gelesene Personen, in Berlin. Dabei wurden ethnische Zuschreibungen als Grundlage für Identitätskontrollen, Durchsuchungen, Beleidigung und Kriminalisierung eingesetzt. Da bislang keine systematische Aufzeichnung oder Dokumentation solcher Kontrollen und Praktiken stattfindet, sind Hinweise auf „racial profiling“ meist nur gestützt auf subjektive Einzel-Berichte. Dennoch lässt auch polizeiliche Kommunikation die Anwendung solcher Praktiken vermuten.

