Am 4. April 1980 traten zwölf Sinti, darunter drei ehemalige KZ-Häftlinge, auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau in Bayern in einen Hungerstreik. Mit dem Streik wollten sie Aufklärung darüber erreichen, was mit den ehemaligen Akten der „Landfahrerzentrale“ (siehe Stigmatisierung von Sinti und Roma durch die Polizei) geschehen war. Diese stammten teilweise noch aus der Zeit des Nationalsozialismus und waren in vielen Entschädigungsprozessen dazu genutzt worden, die Klagen von Sinti und Roma abzuweisen.
Die Aktion stellt ein zentrales Ereignis der Bürger*innenrechtsbewegung der Sinti und Roma in Deutschland dar. Sie brachte viel positive Berichterstattung, auch in internationalen Medien und veränderte dadurch die öffentliche Wahrnehmung der Minderheit. Zudem verhandelte Romani Rose als Sprecher der Streikenden mit dem bayerischen Innenministerium, welches daraufhin versicherte, dass die Akten der bayerischen „Landfahrerzentrale“ zu Beginn der 1970er Jahre vernichtet worden seien. Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel besuchte die Bürgerrechtler*innen zum offiziellen Abschluss des Hungerstreiks und sagte ihnen seine Unterstützung zu.
Auch der Aufenthaltsort der „NS-Rasseakten“, die wichtige Beweise über die NS-Verfolgung der Sinti und Roma enthielten, waren lange Zeit von der deutschen Kriminalpolizei und ehemaligen „Rasseforschenden“ geheim gehalten worden. Als bekannt wurde, dass diese im Keller der Tübinger Universität gelagert wurden, besetzten im September 1981 mehrere Sinti und Roma dieses Archiv. So erreichten sie den Abtransport der Akten in das Bundesarchiv, wo sie zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen gegen Sinti und Roma und als Grundlage für weitere Entschädigungsforderungen genutzt werden konnten. Allerdings fehlten unter den Unterlagen die ca. 20.000 „NS-Rassegutachten“ der „Rassenhygienischen Forschungsstelle“, welche eine wesentliche Rolle in der NS-Verfolgung gespielt hatten. Trotz mehrerer Gerichtsverfahren, die Klarheit über den Verbleib der „Rassegutachten“ schaffen sollten, sind die Akten bis heute verschwunden.

